Taxi Kuba

Kuba III: Eis-am-Stiel-Musik (Havanna & Vinales)

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Um eine intensivere Verbindung mit Land und Leuten aufzubauen, lasse ich meinen Müll irgendwann einfach nur noch fallen. Dies mit der kubanischen Selbstverständlichkeit und Souveränität zu machen, gelingt mir bis zum Ende nicht. Mir fehlt die Lockerheit und ich fühle mich bei jedem Mal schlecht.

Die erste Lisa

Silvia holt in Havanna Frühstück und ich spiele das Handtuch, das beim Malleurlaub auf den Sitz gelegt wird, soll heißen: Ich reserviere einen Platz. (Warum schreibe ich etwas, um es dann mit „soll heißen“ auszuführen anstatt es direkt zu sagen? Weiß ich auch nicht, ist aber auch egal. Und darf ich die Zeit meines Lesers für einen Witz opfern, den wahrscheinlich eh keiner lustig findet?)

Neben mir sitzt eine Frau aus Slowenien, wie sich herausstellt. Ihr geht es auf die Nerven, dass hier alle nur ihr Geld wollen. Ich verstehe es und vergesse nach dem Bild von Trump in Slowenien zu fragen.

Auf der Dachterrasse unserer Casa treffen wir David und Lisa, die näselt. Sie sprechen uns an und wir setzen uns dazu. Sie ist Architektin und er Software-Entwickler für Maschinen, die Bier abfüllen oder so. „Die Maschinen schaffen 9 Flaschen pro Sekunde, das sind 32.000 pro Stunde. Krass, oder? Es passiert fast nie, dass die Software überfordert ist, meistens die Geräte,“ so erinnere ich mich an das Gespräch.

Ich sage, dass meine Schwester auch Lisa heißt, und denke, dass ich die perfekte Eselsbrücke habe. Nach zwei Minuten habe ich ihren Namen wieder vergessen. Für das gleiche Zimmer haben sie 35 CUC mehr gezahlt. Am nächsten Morgen teilen wir uns ein Taxi nach Vinales.

Backpacking Kuba
Die Autobahn in Kuba

David sitzt vorne „Guck mal die Vögel“, „Guck mal das Auto“, „Wenn die Palmen (die die Fahrbahnen trennen) mal groß sind, dann sieht das bestimmt geil aus“, „Guck mal der Vogel, was der für riesen Flügel hat. In Peru haben wir Kondore gesehen, riesig.“, „Und, ja die Tour war geführt“, „Nein, ich interessiere mich nicht besonders für Vögel.“ Ich erzähle ihm das Kuba auch bei Vogel-Liebhabern beliebt ist, im Lonely Planet gab es ein Kapitel dazu. Das Taxi ist modern und deshalb langweilig, der Fahrer telefoniert ununterbrochen.

Dynamische Kaffeepreise

In einem Geschäft kostet der Kaffee mal 0.4 CUC und mal das Doppelte, je nachdem wer gerade arbeitet. Auch die Preise für Kuchen schwanken. Sobald man jemanden nach der Uhrzeit fragt, will der Geld. Wenn man sich die Karte im Restaurant anschaut und sich für ein günstiges Essen entscheidet, wird einem gesagt, dass es das nicht gibt. Es gibt nur das, was der Kellner einem vorschlägt, das teuerste. Gleiches gilt für Getränke.

Einmal kam ein Mann zu uns und setzte sich neben uns. Ich dachte mir schon, dass er irgendetwas wollte. Meine Freundin und ich haben uns weiter unterhalten und ihn ignoriert. Nach ein paar Minuten fing der Mann an, uns irgendwelche Tipps zu geben. Ich versuchte sanft zu unterbrechen. Ein Typ mit einer Gitarre kam und stimmte einen Songa aus Buena Vista Social Club an. Dann habe ich beiden erklärt, dass wir gerade ein sehr persönliches Gespräch führen, bei dem wir äußerste Ruhe benötigen. Ich habe ihnen noch einen komplizierten Handschlag gezeigt, der mit einer Ghetto-Faust endet.

Preise drücken

Wenn man in einem Casa oder beim Taxi nach einem Preis fragt, bekommt man eine unvorstellbar große Zahl genannt. Man hat das Gefühl, dass jemand zufällig eine Nummer auswählt, 45 Euro pro Person. Vielleicht bietet sich als Faustregel, Quersumme mal 2 oder 3 an, um den Preis richtig einzuschätzen. Und dann handelt man, bis 15 CUC für die Fahrt von Havanna nach Varadero rauskommt. Man sitzt dann in einem Auto, wo alle für die gleiche Fahrt unterschiedlich viel gezahlt haben.

Ein wichtiger Verhandlungsschritt ist es wegzugehen, die Leute laufen einem nach und man gelangt zu einem besseren Preis. So haben wir es bei Taxis und Casas gehalten.

Wir denken über Preisbildung nach. Wenn ich für die Fahrt von x nach y das und das gezahlt habe, ist der Preis für die Fahrt von y nach z fair. Aber solche Gedankenspiele funktionieren nicht, weil der Zufall bei der Preisbildung eine große Rolle spielt. Und man muss sich immer klarmachen, dass das Durchschnittsgehalt bei 26 CUC im Monat liegt.

Wo man vom Pferd fällt

Vinales gehörte zu unseren Highlights. Das ist eine kleine Ortschaft in der ländlichen Provinz Pinar del Rio, die in jedem Reiseführer zu Recht angepriesen wird.

Backpacking Kuba
Ländliches Leben in Vinales

Zehn Minuten, nachdem wir ein Apartment (15 CUC) gefunden hatten, saßen wir auf Pferden. Ich dachte, dass jemand das Pferd an der Leine führt, aber das war nicht so. Das Pferd lief und reagierte nur, wenn man etwas machte. Leine nach rechts und es läuft rechts. Leine nach links und es läuft links. Leine nach hinten ziehen und es stoppt. Voll geil. Mit dem Stoppen funktionierte es nicht so gut und ich hatte Angst, dass die Bremse an meinem Pferd kaputt war. Silvias hieß Mojito, meins Tornado und das vom Tour-Guide heißt Bonita, boring.

Ich bin noch nie geritten oder vielleicht mal vor 25 Jahren mit meinen Eltern im Zoo oder Zirkus. Wir kommen vorbei an Zucker-Feldern. Ich entdeckte Bananen-Stauden, Mangobäume und Kokospalmen. Orangen wachsen dort auch.

Meine erste Frage an den Tourguide: Fallen manchmal Leute vom Pferd. Antwort: „Many“. Er hält mein Pferd an, ich weiß nicht warum, aber dann pinkelt es. Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, jede Frage zu stellen, egal wie blöd. Wusste er, dass es pinkeln muss, frage ich. „Ja“. Ich: „Woran sieht man das?“ Er versteht die Frage nicht. Wir reiten weiter und ich filme Silvia. Es geht bergab um eine scharfe Kurve in einen Fluss und ich falle fast vom Pferd.

Zigarre mit Honig

Wir besichtigen eine Höhle, die so eng ist, dass nur schlanke Menschen durchkommen. Der Führer zeigt auf ein paar Felsen, das sieht aus wie ein Gorilla und das wie Trump. Formen suchen, kennen wir aus dem Antilope Canyon (Utah, USA) und deshalb ist es leider boring.

Wir gelangen zur Tabak-Plantage und bekommen eine Zigarre. Am Mundstück klebt Honig, schmeckt super. Zum zweiten Mal zeigt uns jemand, wie man eine Zigarre dreht. Ein Engländer übersetzt für seine Erklärungen.

Wir trinken Mojito. Ist der Pferdname etwa subtiles Marketing? Das war der beste Mojito meines Lebens: Eiswürfel, Limette, Wasser, eine Pflanze, die wie Minze aussieht, aber was anderes ist, und Honig!!!

Ein Freund hat mir erklärt, dass Eiswürfel besser als Crushed Ice sind, weil sie sich nicht so schnell auflösen, weil sie den Drink nicht verwässern und weil dadurch mehr Mojito ins Glas kommt. Als wir wieder aufs Pferd steigen, bin ich total blau.

Nach der Tour gehen wir essen, ich nehme Hummer. Das Restaurant ist direkt an einer Weide. Es gibt keine Wand und kein Fenster, die die Natur von den Gästen trennt. Wenn eine von den Kühen an den Tisch kommen würde, könnte man sie streicheln. Oder ein Pferd.

Eis-am-Stiel-Sound

Am nächsten Tag fahren wir von Vinales nach Havanna. Das Taxi hat keine Fenster, dafür aber eine Mega-Musikanlage vor dem Rückfenster. Man darf halt nicht am falschen Ende sparen. Der Fahrer spielt Songs aus Eis-am-Stiel. Silvia und ich haben uns vorher gestritten. Warum, weiß ich nicht mehr. Bei der Musik, mit dem Arm aus dem Fenster und der warmen Luft, die einem während der Fahrt ins Gesicht weht, kann man nicht mehr sauer sein. Unterwegs hält der Fahrer an, holt sich von einem der Leute am Straßenrand ein Wasser und wäscht sich das Gesicht.

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