Oldtimer Varadero Kuba

Kuba I: Probleme bei der Einreise (Trinidad, St. Clara & Cienfuegos)

Wir haben gelesen, dass Touristen die Einreise nach Kuba willkürlich verwehrt werden kann. Silvia und ich stehen an der Passkontrolle in der Schlange und holen unsere Reisepässe, Visa und die Reiseversicherung auf Spanisch aus dem Rucksack. Einer nach dem anderen tritt in die kleine Kammer, zeigt seine Papiere und stellt sich vor die Kamera.

Silvia ist an der Reihe. Es gibt eine kurze Diskussion und Silvia kommt nicht durch. Ein Mann vom Grenzschutz holt uns ab. Er trägt keine Uniform und führt uns zu einem Biertisch im Wartebereich vor der Passkontrolle. Auf einen zerrissenen Notizzettel notiert er unsere Namen, Geburtsdaten, Arbeitgeber, die Stationen unserer Reise und ein paar Punkte, die er noch so versteht.

Ich frage mich, was mit diesem Zettel passieren wird, sobald wir weg sind. Ich gehe davon aus, dass er nach unserem Gespräch weggeworfen wird. Dann führt er uns zu der Dame, die Silvia nicht durchgelassen hat. Ich sehe sie das erste Mal und wundere mich darüber, dass die Zollbeamten eine rosa Schleife im Haar tragen dürfen. Sie lässt uns durch. Am Security-Check legen wir Gürtel, Handys und Taschen in die zerbrochenen Boxen. Das Personal ist weiblich und trägt Miniröcke mit Netzstrumpfhosen.

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Palmen am Strand von Varadero

Mit dem Bus geht es weiter nach Varadero. Wir sehen Palmen und Meer. Die Fahrt dauert 30 Minuten und kostet 10 CUC oder Dollar oder Euro. Der Fahrer hält an einer Ecke und die Moderatorin sagt uns, wie wir zu unserer ersten Casa kommen.

Was eine Informatikerin auf Kuba verdient

Der Lonely Planet und Blogs empfehlen, sich Casa Particulares statt Hotels zu suchen. Das sind privat vermietete Zimmer oder Appartments, in denen man das Leben der Kubaner besser kennen lernt, das echte Kuba, wie sie schreiben.

Eigentlich bin ich Sicherheits-Junkie und buche die Unterkünfte vorher. Wir haben aber gelesen, dass das Transportsystem nicht zuverlässig ist, und deshalb haben wir nur die Stationen unserer Reise festgelegt und nicht die genauen Daten.

Auf TripAdviser werden Casas in Trinidad, Cienfuegos und Havanna empfohlen – allerdings ohne Kontaktdaten, die man dann woanders im Internet findet. Ich habe die Casas auf Googlemaps rausgesucht, eine Route zwischen ihnen erstellt und das Ganze ausgedruckt und zusammengetackert mitgenommen. Organisation ist alles.

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Zeichen für Casa Particular

Am Ende haben wir das nicht benutzt. Überall befanden sich im Umkreis von wenigen Metern mehrere Privatunterkünfte. Wir haben geklopft und uns die Zimmer und Apartments zeigen lassen. Ohne Fenster haben wir nicht genommen, zu nah an der Straße auch nicht. Und wenn sie uns gefallen haben, haben wir über den Preis verhandelt und in der Regel weniger bezahlt als die interessanten Menschen, die auch dort waren und online gebucht haben. Außer in der ersten Nacht, da haben wir vorgebucht.

In der ersten Casa treffen wir auf eine Informatikerin. Da man in Kuba mit diesem Studium 11 bis 15 CUC pro Monat verdient (etwa 10 bis 14 Euro), hilft sie einer Frau, Apartments an Touristen zu vermieten. Da verdient sie 20 CUC am Tag. Ich frage mich, auf welchem Stand ein Informatiker aus Kuba ist. Kann man das Wissen mit einem Silicon-Valley-Arbeiter vergleichen? Wahrscheinlich nicht.

Todesangst auf dem Weg nach Trinidad

Orientierungslosigkeit. In der ersten Nacht wache ich auf. Wie viel Uhr ist es? Keine Ahnung. Mein Handy zeigt etwas Anderes als Silvias Handy. Ich warte. Silvia wacht irgendwann auch auf. Ist es wirklich 0 Uhr, wie es auf ihrem Handy steht. Kann doch nicht sein. Totale Verwirrung, wir sind in Panik. Wie viel Uhr ist es? Wie viel Uhr ist es? Irgendwann krähen Hähne, Autos fahren vorbei. Als es hell wird, verlassen wir die Wohnung.

Auf dem Weg nach Trinidad. Zufällig kommen wir zu einer Bus-Gesellschaft und bekommen eine Tour nach Trinidad für 30 CUC. Sie gehört zu den am besten erhaltenen Städten aus der Kolonialzeit und deshalb zum UNESCO-Welterbe.

Wir haben die Plätze hinter dem Fahrer. Meine Freundin sitzt am Fenster. Die Straße hat Risse und Schlaglöcher. Der Fahrer fährt wie ein Bescheuerter. Uns donnern auf der Ministraße LKW entgegen. Ich versuche Silvia zu erklären, dass er die Strecke wahrscheinlich drei Mal pro Woche fährt und weiß, was er tut. Aber es bringt nichts. Jedes Mal, wenn uns ein LKW entgegenkommt, verkrampft sich ihr Körper, Silvia hat Todesangst.

Wächterinnen in Strapsen bewachen das Grabmal von Che

Zwischenstopp in St. Clara. Der argentinische Arzt Che Guevara hatte die Stadt eingenommen. Fidel Castro hatte ihn im Exil in Mexiko kennengelernt und war mit ihm und 80 weiteren Kämpfern auf der „Granma“  nach Kuba gefahren, um Batista zu stürzen. Die Yacht steht heute in Havanna und erinnert an die Revolution.

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Monumento Memorial Che Guevara

Wir besichtigen das Museo y Monumento Memorial Comandante Ernesto Che Guevara. Der Chinese auf unserer Tour verbeugt sich genau drei Mal vor seinem Grab. Man darf keine Fotos machen. Die Wächterinnen tragen Miniröcke und Netzstrumpfhosen, manche mit Strapsen.Wir gehen in das Museum zu Ehren des Comandante. Hier liegt die Brille von dem einen und der Schuh von anderen und die Pfeife von einem weiteren. Es gibt Fotos von Che und Castro und von Castro und Che. Alles ist auf Spanisch, wir verstehen nichts und gehen raus. Draußen machen wir Fotos von der riesigen Statue des Nationalhelden. Der Chinese will den Tour-Guide dazu überreden, ein Foto mit ihm zu machen. Aber der will nicht.

Western-Feeling zwischen Bananenstauden

Wir fahren weiter. Am Straßenrand stehen Pferde, die wie im Western mit einem Seil irgendwo festgemacht sind. An einem Hering im Boden, an einem Zaun oder an einer Kokospalme. Auf einem Pferd sitzt ein Vogel.

Auf der Straße rennen Ziegen, Hunde, Katzen und Hühner rum. Pferde, Kühe und Rinder sind abgemagert, ihr Fell ist ausgefranst und matt.

Der Tourguide erzählt und erzählt. Ich kann jetzt Bananenstauden von Mangobäumen unterscheiden. Ich erkenne eine Tabakpflanze. Die meisten Urlauber kommen aus Kanada. Eine der Haupteinnahmequelle von Kuba ist der Tourismus. Wer Vieh tötet, bekommt eine Haftstrafe von 20 Jahren.

In einem Dorf gibt es einen Stau aus Kutschen, weil die Eltern ihre Kinder von der Schule abholen. So sieht eine kubanische Agrarregion aus. Traktoren soll es wenige auf Kuba geben.

Trinidad und Cienfuegos

Trinidad. Überall liest man von dem „kolonialem Flair“, der der Stadt zum Welterbe-Status verholfen hat. Wir schlendern über den Pflasterstein. Irgendwo wird Musik aus Buena Vista Social Club gespielt. Ein Mann hat hinten auf seinem Fahrrad eine große Box mit Eis, vorne am Lenker sind die Hörnchen befestigt und er wartet auf Kunden. In den Straßen stehen Pferde.

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Trinidad: Ein braunes Säugetier vor einem hellblauen Kulturartefakt

Ein Mann mit freiem Oberkörper läuft mit einem Hühnchen im Arm durch die Gegend. Wieder das Wild-West-Gefühl. Gleich wird er den Vogel kochen, erklärt der Tour-Guide und führt uns zu einer Oma, die eine Zigarre dreht. Es sind Cohibas, wird uns gesagt, und alle auf der Tour kaufen ein paar, Kaffeefahrt halt. Wir haben gelesen, dass man Zigarren nur im staatlichen Geschäft kaufen soll. Auf der Straße und in anderen Läden sollen es Fälschungen sein und wir kaufen nichts.

Im Restaurant hätte ich gerne ein Schrimps-Essen, das aber aus ist. Auf den Fisch warten wir eine halbe Stunde. Als Beilage gibt es einen Krautsalat ohne Soße. Hm, lecker?

Cienfuegos: Die Stadt ist so, wie man sich eine kubanische Stadt vorstellt. Alte Häuser, die zerfallen oder in leuchtenden Farben angemalt sind. Alte Autos, die zerfallen oder in leuchtenden Farben lackiert sind. Und Palmen.

Wir gehen spazieren und müssen vor der Rückreise noch schnell auf die Toilette, deren Tür wie zu einem Salon in einem Western ist. Die Frau an dem WC ohne Klobrille, Klopapier und Abzug verdient mega. Jeder Tourist bezahlt 1 CUC. Die Frau isst mit der einen Hand Kekse, nach jedem Kunden nimmt sie mit der anderen Hand den Wassereimer und spült die Toilette aus. Wenn jemand mehr als eine Minute braucht, schlägt sie mit ihrer Faust gegen die „Tür“.

Trinidad und Cienfuegos sind in Ordnung. Man geht ein Stündchen spazieren und dann hat man es verstanden. Für die Tour hatten wir eigentlich die ersten drei Tage eingeplant, aber wir fahren am Abend wieder zurück.

 

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