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Kuba IV: Flucht in die USA (Havanna & Varadero)

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Während der Fahrt zieht ein Taxifahrer den Schlüssel aus dem Zündschloss, schließt damit das Handschuhfach auf und holt sein Smartphone raus. Dann steckt er ihn zurück ins Zündschloss. Ich habe mich gefragt, ob der Motor für die Zeit aus war und wir nur gerollt sind. Es ist früher Nachmittag und wir kommen nach Havanna.

In Havanna suchen wir mit zwei Frauen ein Taxi, um nach Varadero zu kommen. Wir sprechen den Fahrer auf der Straße in Havanna an (normalerweise haben sie uns angesprochen) und die Frau, die er gerade transportiert, will aussteigen. Sie scheint so happy für den Fahrer, weil das sein Geschäft des Monats ist. Bevor wir losfahren, checkt er im Kofferraum das Öl oder so. Sein Taxi hat Fensterscheiben. Um das hinter dem Fahrer zu schließen, muss man die Tür öffnen. Wie in den anderen Taxis funktioniert die Geschwindigkeitsanzeige nicht.

Das Leben von Stewardessen

Die beiden Frauen stellen sich vor als Lisa und Demi wie Demi Moore nur „schöner“, was wir unkommentiert lassen. Die zweite Lisa übrigens in zwei Tagen. Ist hier eine höhere Kraft am Werke? Jetzt bereue ich, im Kaffee von Havanna nicht nach dem Namen der Slowenin gefragt zu haben. Vielleicht hieß sie ja auch Lisa. Auf jeden Fall kommen beide aus Griechenland und arbeiten als Stewardessen. Ich hatte tausend Fragen und sie hatten die Antworten.

Beim Job schlafen sie nicht viel. Wenn sie in eine andere Stadt kommen, gucken sie sich erst die Stadt an statt sich auszuruhen, weil sie so aufgeregt sind. Man kann den Job nicht Ewigkeiten machen, das nimmt einen stark mit. Die eine ist fünfeinhalb Jahre dabei, die andere ein Jahr weniger. Sie fliegen für Emirates und müssen in Dubai leben.

Wer was gegen das Land oder die Fluggesellschaft sagt, fliegt sofort, „fliegt“ haha. Sie tragen keine Kopftücher. Es ist schwer mit einer festen Beziehung. Der Freund von der einen lebt in New York und sie legt die Flüge so, dass sie öfters da ist. In Dubai ist es zu heiß und man kann nicht rausgehen. Normalerweise nehmen sie ein Taxi und fahren zum nächsten Shopping-Center. In Griechenland ist der Gyros ungefähr so wie in Deutschland. Ein Kubaner sprach sie gestern an und wollte sie heiraten. Als der Taxifahrer mir anbot, ein paar Kilometer zu fahren, kreischen sie und das Thema war erledigt. Ich verliere dadurch eine Mega-Erlebnis.

Flucht aus Kuba

Wir fahren zurück nach Varadero und machen wieder Strandurlaub. Auf unserer Suche nach dem letztem Casa öffnet eine ältere Dame die Tür. Sie ruft einen Mann, der sich um uns kümmern soll. Als wir warten, fragen wir sie, warum sie so gut English spricht. Sie ist 1961 in die USA gegangen. Sie galt als Deserteurin und konnte ihre Mutter bis 2010 nicht mehr besuchen. Fast 50 Jahre, schrecklich.

Ihr Mann ist Deutscher wie ich. Sein Vater war Rassist, er hat nie mit ihr gesprochen. Und auch nicht mit den Enkelkindern.

Der Besitzer kommt und zeigt uns die Casa. Er erklärt uns den Markt und seine Kosten (Putzfrau, Gebühren etc.) und meint, wir finden nichts für 25 CUC.

Wir gehen weiter und bekommen doch eine Casa für 25 CUC. Der Vermieter ist sehr nett. Er gibt uns Aloe Vera für unsere Sonnenbrände. Dann reden wir.

Varadero ist gut. Es ist sicher und der Tourismus bringt Geld, erzählte er. Er trinkt keinen Rum, eigentlich gar keinen Alkohol, und er raucht auch keine Zigarren. Seine Schwester ist 1992 nach Mexiko geflogen und dann in die USA gereist. Die Mexikaner in ihrem Bus wurden zurückgeschickt, als Kubanerin bekam sie ein Visum, wie jeder Kubaner, der vor 2017 in die USA einreiste.

Deshalb haben es auch Tausende über das Meer versucht. Sie ruderten oder segelten die 90 Meilen, aber viele starben. Jetzt besucht seine Schwester die Familie alle 5 Jahre.

Internet

Wir waren schon seit Tagen nicht im Internet. Unsere Handys sind immer aus und wir wussten nie, wie viel Uhr es ist. Wenn es hell wird und die Hähne krähen, stehen wir auf. Und wenn wir müde sind, gehen wir ins Bett. Ein tolles Gefühl.

Vor einem Flug nach Kuba kann man keinen Online-Check-In machen, die Karten bekommt man mit einem Touristen-Visa am Flughafen, zumindest bei Eurowings. Um die Zeit vom Rückflug nachzugucken, wollen wir ins Internet. Wir kaufen an einem Stand eine Karte, auf der ein Benutzername und Passwort steht, eine Stunde kostet 2 CUC. Wir gehen zu einem der zwei Hotspots in Varadero, wo man ins Internet kommt.

Das Meer

Eigentlich hatten wir einen Strandurlaub nicht geplant. Aber wir hatten unsere Stationen abgehakt. Wir sind am Strand, 35 Grad, keine Wolke. Ich nehme meine Kamera mit ins Wasser und mache ein paar Fotos.

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Strandabschnitt in Varadero

Meine Hose reißt am Hintern auf. Zum Glück hat es keiner mitbekommen. Ich creme mich nicht ein, weil ich keinen Sonnenbrand bekommen kann. Ich schreibe jetzt mal kategorisch hier hin, also: Ich kann keinen Sonnenbrand bekommen, kategorisch.

Was Strände angeht, so wird man auf Kuba anspruchsvoll. Wenn das Wasser nicht azurblau ist, wenn im Wasser ein paar Algen schwimmen oder wenn man beim Reingehen einen Stein berührt, sucht man sich einen anderen Abschnitt von diesem 22 Kilometer langen Strand.

Normalerweise gehe ich bis zu den Oberschenkeln ins Wasser und warte dann einige Sekunden, bis mein Körper sich an die Temperatur gewöhnt. Als mein Hoden in die karibische See taucht, erlebte ich zum ersten Mal eine Wasser-Temperatur, die mich nicht zusammenzucken lässt.

Das Fernsehprogramm

Mein Oberkörper ist knallrot, alles tut weh. Ich finde keine Stelle, auf der ich liegen kann. Ich kann nicht einschlafen. Im Fernsehen läuft ein Schwarzweißfilm.

Auf einem anderen Kanal läuft ein alter Hollywoodstreifen, in dem Matrosen die Story tanzen und singen. Eine Doku besteht aus aneinandergereihten Fotos und einem spanischen Text, den wir nicht verstehen.

Die News sind um acht und dauern 20 Minuten. Zuerst redet ein Mann sehr lange und wir fragen uns, wann das Bildmaterial zu dem Thema kommt.

Irgendwann sieht man wie ein Bauer mit der Hand eine Kuh melkt, dann wird irgendwas über Che oder Castro berichtet. Man sieht blühende Felder und eine florierende Agrarwirtschaft. Es wirkt wie ein Image-Film aus der Zeit als Chuck Norris die Entwicklung der Bewegtbildkamera filmte.

Stromausfall

In Varadero gibt es mehrere Stromausfälle. Das ist wohl ganz normal. Die Banco Nacional de Cuba kann dann kein Geld auszahlen und wir gehen zur internationalen Bank, wo genau einer von vier Schaltern geöffnet ist. Die Schlange zieht sich bis vor die Tür und die Leute ärgern sich, dass sie solange warten müssen.

Im Restaurant fallen einige Gerichte weg, nur Essen vom Grill bleibt übrig. Das Eis zum Nachtisch ist geschmolzen, als wir es bekommen. Das finde ich gut, weil ich Eis auch immer in die Sonne lege, bevor ich es esse.

Im staatlichen Zigarrengeschäft können wir nicht mit Karte zahlen. Das Telefon ging übrigens, es wird über die Telefonleitung betrieben. Das Lustige ist: Sie können im Laden nur Telefonate empfangen, selbst aber niemanden anrufen. Ich weiß leider auch nicht mehr, welche Frage diese Information ans Tageslicht befördert hat.

Wieder zu Hause

Wir bringen Rum, Zigarren und Kaffeebohnen mit. Eine Rumflasche ist nicht korrekt verschlossen und versifft die Tüte. Wir sitzen auf dem Balkon, trinken Pina Colada und rauchen Zigarren. Mit dem Handy sind wir die ganze Zeit im Internet. Mein Rücken und Bauch pellen sich. Meine Haut fliegt durch die Wohnung. Ich frage mich, ob man daraus eine Cohiba drehen kann.

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