Santa Monica Pier LA

Kalifornien I: Road Trip von LA (Santa Monica & Venice Beach)

In zwei Stunden müssen wir bei einer Enterprise-Filiale sein, die sich im Zentrum von Los Angeles befindet. Sonst verfällt unsere Reservierung für unseren Road Trip. Wir hetzen aus dem Flugzeug, durch verwinkelte Gänge und fahren eine Rolltreppe hinab. Den Weg haben wir in zwei Minuten zurückgelegt und glauben, dass wir das alles ganz locker schaffen. Auf einer riesigen Leinwand begrüßt uns der amerikanische Präsident, zu dem Zeitpunk noch Obama.

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Willkommen in Amerika

Das Flughafenpersonal schickt uns freundlich aber bestimmt zur Schlange für Reisende aus Europa. Dort stehen gefühlt mehr als 1.000 Menschen. Hunde von Grenzbeamten schnüffeln an uns. Einer will sich nicht von meinem Rucksack lösen.

Nach etwas über einer Stunde sind wir durch. Zur Vermietung in Los Angeles schaffen wir es auf keinen Fall. Wir fahren mit einem Shuttle zu Enterprise am Flughafen.

Von dort aus wollen wir die Sache mit dem Mietwagen klären. Die Frau sagt, dass sie uns gerne das gleiche Angebot machen würde, aber dass sie das Modell nicht da hat. Sie hat aber einen Compact Jeep.

Road Trip mit Jeep

Bevor wie nach Amerika geflogen sind, haben wir im Internet und in Bibliotheken recherchiert. Eine Woche vor dem Abflug waren wir bei meinem Onkel, der mehrfach in Kalifornien war und uns viele Tipps gegeben hat.

Einer war: In Nationalparks müsst ihr Offroad gehen, was Versicherungen im Falle eines Problems nicht übernehmen. Nehmt ein großes Auto, das ist besser.

Also nehmen wir den Jeep. Und da meine Freundin eh einen großen schwarzen Jeep besitzen will, ist das die ideale Gelegenheit, sich daran zu gewöhnen. Am liebsten hätte sie zu ihrem eigenen Jeep auch einen schwarzen riesigen Schimpansen, aber das ist eine andere Geschichte…

Wir haben also jetzt den Jeep, yeah! Die Versicherung haben wir bei einem externen Anbieter abgeschlossen. Ich habe ein mulmiges Gefühl, aber wir haben dadurch drei bis vier hundert Dollar gespart. In Deutschland habe ich mir eine App aufs Handy gemacht. HereWeGo, damit kann man offline Navigieren, wenn man sich die Karten runtergeladen hat. (Eine gute Alternative soll Maps.me sein, die ich aber nicht ausprobiert habe.)

Angst vor dem Unbekannten

Inzwischen ist es Dunkel. Wir sind nervös. Aus dem Fernseher kennen wir die Bilder, wo ein Mann die Fahrertür aufreißt und dann einfach ins Auto ballert, um eine Handtasche zu klauen. Wir suchen unser Apartment, das wir über Airbnb gebucht haben.

Wir kennen die Gegend nicht und verriegeln die Türen an unserem Auto. Und wir verfahren uns, weil wir nicht verstehen, dass man an der Stelle einen U-Turn machen darf. Und überhaupt, wenn jemand hupt, denken wir, dass wir etwas falsch machen.

Wir haben uns zwar vorher über Schilder und Straßenregeln informiert, aber die Anwendung läuft doch nicht so reibungslos wie erhofft. Und deshalb streiten wir uns. Warum bist du nicht abgebogen? Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich abbiegen muss? Habe ich doch. Woher soll ich denn wissen, dass es hier ist und nicht die nächste. Guck doch aufs Navi und sag die dritte links oder die vierte rechts, dann kann ich mich darauf vorbereiten. Ich kann beim Autofahren nicht lesen, dann wird mir schlecht. Katastrophe.

Wir finden das Airbnb. Eine Frau öffnet die Tür. Sie versteht kein Englisch und ruft ihre Tochter an, die uns alles erklärt. Irgendwie riecht es dort komisch. Wir können aber nicht sagen, ob das ein amerikanisches Reinigungsmittel und damit normal ist. Oder, ob es irgendetwas Schlechtes ist. Die Toiletten funktionieren auch anders. Sie sind voll mit Wasser, dass abfließt, sobald man die Spülung drückt. Bei uns kommt der Schwall nach dem Geschäft und hier vorher. Funktioniert beides prima.

Der schönste Stau meines Lebens

Wir wachen um 6 Uhr auf. In Deutschland wäre das eine Katastrophe. Ich schlafe nämlich häufig nicht so gut und wenn ich einmal aufwache, dann schlafe ich nicht mehr ein, habe zu wenig Schlaf und rede mir ein, dass der Tag schon gelaufen ist. Hier ist es anders. Ich werde wach und freue mich. Endlich können wir los.

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Nonstop Stau, unglaublich

Und da ist er, unser erster Stau. Die Straßen haben 1.000 Spuren und wir fahren von einem Stau in den nächsten, nonstop. In Deutschland würde mich das nerven, aber hier kann man sich den Verkehr ansehen und alles genau analysieren. Da sind nur riesen Kisten. Unser Compact Jeep wirkt wie ein Witz. Wir sehen diese typischen Schulbusse und Trucks mit den riesigen Schrauben in den Rädern und den riesigen Motorhauben in knalligen Farben.

Drei Autobahnen führen an einer Stelle zusammen, die sich einen Kilometer später wieder in mehrere Highways aufteilt. Das heißt: Drei Staus treffen aufeinander und alles muss sich neu sortiert. Man fährt unter mehrfach verschachtelten Brücken her und überall stehen nur die Autos. Überholt wird auf beiden Seiten. Es gibt Palmen, die Schilder sind grün. Und die Straßen und Highways heißen: Pacific View, Laguna Street, Beach Avenue, Cliff Drive… und nicht Heinrich-Heine-Straße, Burgmüllerstraße, Oberkasseler Straße.

David Hasselhoff

Wir fahren nach Santa Monica. Wegen David Hasselhoff und Baywatch und meiner Freundin. (Später finden wir raus, dass die Serie in Malibu spielt, aber egal.) Dort finden wir einen Parkplatz am Strand.

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Der Klassiker

Die ersten Surfer tragen ihre Bretter zu den Wellen. Wenn man in Deutschland Bilder vom Surfen sieht, dann stehen junge Adonisse mit breiten Schultern und Sixpacks auf den Brettern. Der erste, den wir sehen, ist ein älterer Herr. Er ist braun gebrannt und schleppt ein riesiges Bord zu den Wellen. Dann folgen andere, die aussehen wie Du und ich. (In London gibt es einen Hinweis für Kontrolleure in Bussen: Spotting a ticket inspector is easy. They look just like you, aber das nur am Rande.)

Wir spazieren am Strand, Schuhe in der Hand. Staubstrand, feinster Sand, der zwischen unseren Zehen sprudelt. Dort stehen die Hochsitze für die Rettungsschwimmer. Wir machen Fotos. Silvia auf einer Stufe vom Hochsitz. Silvia vor dem Posten. Silvia guckt in die eine Richtung. Silvia guckt in die andere Richtung und bildet mir ihrer Hand einen Schirm an der Stirn, um nicht geblendet zu werden. Ich frage mich, wie viele andere diese Fotos heute noch machen werden?

Wir kommen zu einem Outdoor-Fitness-Bereich. Ein Mann macht Übungen, die man in Deutschland nur in der Halle oder im Wohnzimmer machen kann, ohne ausgelacht zu werden. Wer auf Youtube Übungen für Bauch, Beine & Po eingibt, kann sich ein Bild machen. Ein anderer kommt hinzu und macht mit.

Und es gibt da eine Art Hangel. Daran steht ein Schwarzer mit einem Helm, drei übereinander gezogenen Jacken, einer Snowboard-Brille und einer Hose, die in der Kniekehle hängt. (In unserer Jugend waren wir immer in einer Kneipe in der Altstadt und haben Bananenweizen getrunken. Ein Freund von uns (eigentlich wollte ich mich schon lange mal wieder bei ihm melden) kam mit dem gleichen Look und der Türsteher meinte nur. So kommst du hier nicht rein, zieh an, was Mama dir sagt.) Auf jeden Fall sah der total lustig aus und hat den Touris an der Hangel geholfen.

Santa Monica Pier,

Hanfdoktoren und Handleser

Auf dem Parkplatz vor dem Santa Monica Pier steht eine rosa verchromte Limousine, auf der ein Chihuahua herumtapst mit rosa Sonnenbrille, rosa Hemd und rosa Mantel.Wir wollen ein Foto machen.

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Musiker überall

Aber der Besitzer mit einem Rosa Frack aus diesen glänzenden Plättchen, deren Namen mir gerade nicht einfällt, springt uns entgegen und drei Dollar für die Krebsforschung oder kein Foto. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift Fuck Trump. Wir hatten schon Angst, dass er uns eine runterhaut.

Auf dem Santa Monica Pier stehen eine Achterbahn, ein Riesenrad und weitere Attraktionen. An den Ständen werden Hüte, Tücher, Magneten mit kalifornischen Nummernschildern und Surfbrettern verkauft. Ein Musiker singt wie Joe Cocker.

Ein anderer nennt sich Singing Jesus oder so und trägt ein Leinengewand. Und einer spielt wie Jimmy Hendrix – zumindest für das Ohr eines Laien. Am Geländer stehen alte Männer und angeln. Und dazu scheint die Sonne.

Irgendwo sitzt ein Obdachloser mit dem Angebot, dass er einem für einen Dollar einen Witz erzählt. Am Ende vom Pier sitzt ein Mann und meditiert. Ein Polizeiwagen kommt, auf dem Dach ist ein Surfbrett, auf dem Rescue steht.

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Preise für Handlesen und mehr

Venice Beach

Unsere Parkuhr läuft langsam ab. Wir gehen zum Auto und fahren zum Venice-Beach. Dort fährt ein Rastafari auf Inlinern und spielt auf seiner E-Gitarre psychedelische Musik.

Ein Poet sitzt an seiner Schreibmaschine. Man soll ihm ein Thema nennen und dann schreibt er ein Gedicht.

Es gibt The Green Doctors, die eine Medical Marijuana Evaluation anbieten. Man muss wohl etwas von Schlafproblemen oder so erzählen und dann verschreiben die einem das Zeug.

Ein Mann liegt auf dem Weg und telefoniert. Am Muscle Beach laufen Typen rum, die Muskeln haben wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Jahren. Sie kaufen sich an dem Laden gegenüber einen Drink und ich will auch einen, weil ich auch solche Muskeln will.

In einem Innenhof befindet sich ein professioneller Wahrsager. Eine Hand zu lesen, kostet 10 Dollar, zwei 15 Euro.

Gegenüber ist ein älterer Herr, der einer Frau die Chakren, in Form bringt, indem er ihren Oberkörper im Brustbereich massiert (der alte Schlawiner). Und dann schreiben da natürlich noch Menschen auf Reiskörner und so, aber das kennt man ja.

Das blaue kleine Zelt

Am Abend fahren wir zu Walmart. Es ist dunkel und wir haben die Angst von gestern. Wir kaufen für unter 100 Dollar zwei Schlafsäcke, zwei Isomatten, ein kleines blaues Zelt und alles, was man sonst noch so für einen Road Trip braucht.

Wir stehen vor den Cornflakes und wissen nicht, welche wir nehmen sollen. Ein Riese mit Tattoos fragt, where are you from? Wir, äh, Germany. Er zeigt auf seinen Sohn. Das ist mein Sohn, er hat sehr dichtes Haar. Kommt von der Mutter. So war das immer. Wir wurden dauernd angesprochen. Einmal gucken wir uns an einer Kreuzung eine Blume an. Silvia nimmt ihre Kamera raus und macht ein Foto. Ein Mann kommt vorbei und sagt, dass sie Birds of Paradies heißt. Er war Garten-Designer und ist wieder weg.

Auf einem Campingplatz frage ich, wie man zum Strand kommt. Der Mann sagt mir seinen Namen, erklärt mir, dass er Polizist war und jetzt in Rente ist. Gerade in dieser Region ist das ein harter Job. Wegen der vielen Drogen. Ob ich ihn verstehe. An den Strand komme ich, wenn ich da gerade ausgehe und dort abbiege.

 

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