San Francisco Sehenswürdigkeiten

Kalifornien II: Der Burger-Schock (Highway 1 & San Francisco)

Wir sitzen auf einem Bordstein im Hafen von Santa Barbara und belegen ein paar Brötchen. Ein älterer Herr spricht uns an. Um den Hals trägt er eine faustdicke Koralle, in den Händen hält er ein Medikament. Ich lebe hier, braucht ihr ein paar Tipps. Er ist alt, steinalt. Und er ist reich, steinreich – zumindest eigenen Angaben zufolge, denn nur reiche Rentner leben hier. Wir sollen in diesem und jenem Burgerladen essen. Ins Death Valley sollen wir nicht. Er hat gestern schon einer Familie davon abgeraten. Wir sollen ins Hearst Castle gehen. Wir sollen uns etwa zehn Kilometer dahinter die Robben angucken. Wir glauben es nicht. Seerobben, juhu!!!

Ein Mann kommt vorbei, lächelt uns zu und zeigt den erhobenen Daumen, als er den älteren Mann sieht. Wir interpretieren das so: Prima, hat der Alte wieder jemanden gefunden, den er volllabern kann. Und der alte Mann erklärt, dass Seerobben die Muttermilch mit den meisten Mineralien haben, das müsst ihr euch mal vorstellen.

Wir fahren weiter, durch kleine Dörfer und Städte. Am Pismo Beach soll es super tolle Dünen geben, durch die man mit seinem Wagen fahren kann. Das Problem ist, dass wir bei der Ankunft beobachten, wie sich jemand im Sand festgefahren hat. Das ist Offroad, das wollen wir nicht riskieren. Und deshalb fahren wir weiter.

Das Schloss eines Größenwahnsinnigen

Hearst Castle. Zuerst werden wir in ein Kino geführt und sehen ein Video über William Randolph Hearst. Sein Vater hat als Goldgräber ein Imperium aufgebaut. Bis dahin war Goldgraben für mich ein abstraktes Konzept. Ich habe mir nie vorgestellt, dass da wirklich jemand mit einer Hacke und einem Esel in die Berge zieht und in den Stein schlägt, in der Hoffnung auf Gold oder Silber zu stoßen. Das hat auf jeden Fall sein Vater gemacht.

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Eingang zum Haupthaus

Dann erbt William R. Hearst die Millionen und baut ein Medien-Imperium auf: 25 Tageszeitungen, 24 Wochenzeitungen, 12 Radiosender, zwei Nachrichtenagenturen und ein Filmunternehmen. Jeder Dritte Amerikaner las in den 50-ern seine Zeitungen.

In seiner Kindheit war er in Europa, er sollte die Kunst und Kultur kennenlernen. Als Erwachsener wollte er dann ein Schloss auf dem Berg haben, wo er die schönsten Momente seiner Kindheit verbracht hatte. Ein Schloss dort zu bauen, sei verrückt, sagte man ihm. Er stellte Julia Morgan ein, die erste lizensierte Architektin in Kalifornien. Sie baute ihm sein Schloss.

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Aus der ersten Etage kann man in den Pool springen

Und wenn Hearst eine neue Idee hatte, ließ sie Teile wieder abreißen und durch etwas Neues ersetzen. An manchen Stellen mehrmals. Auf dem Anwesen finden sich griechische Statuen, französische Gemälde und Säulen aus Italien. Aus einer Kirche in Spanien hat er die Holzdecke gekauft und in Schloss einbauen lassen. Er besaß mehrere Pools, einen Tennisplatz, ein Kino und den größten Privatzoo der Welt. Zebras laufen noch irgendwo auf dem Anwesen herum, aber wir haben sie nicht gesehen.

Hearst hatte immer Gäste aus Hollywood, aus der Politik und Gesellschaft da. Charlie Chaplin war da, Winston Churchill hat dort irgendetwas geschrieben. Hearst hat gemacht, was er wollte. Und er hat Menschen um sich versammelt, die er interessant fand. Es war ein Ort des Austauschs. All das mag ich.

Silvia fährt zum ersten Mal seit 5 Jahren Auto

Wir fahren weiter. Dort sind nicht viele Autos, deshalb sitzt Silvia am Steuer. In Deutschland ist sie nie gefahren. Aber ich kann nicht durchgehend fahren. Einerseits die Müdigkeit, und ich möchte auch mal entspannt rausgucken. Das letzte Mal ist sie vor fünf Jahren in der Slowakei gefahren. Da hat sie nie gebremst, weil sie dachte, dass das Auto davon kaputtgeht, was zum Teil zu gefährlichen Situationen geführt hat. Die Kurven auf dem Highway 1 sind zum Teil mega eng, man darf manchmal nur 10 Meilen fahren. Wir sehen die Sandbank mit den Robben. Süß!

Wir gucken uns den Montana-de-Oro-State-Park an. Die grauen Bäume tragen keine Blätter und sehen aus, wie die krause Frisur einer Oma, die in eine Steckdose gefasst hat. Die restlichen Bäume schälen sich. Der Küstenstreifen Big Sur ist wegen Waldbränden nicht zugänglich, schade. Er soll eine ganz besondere Atmosphäre haben.

Der Burger-Schock

Unser Camping-Platz liegt an einem See. Unser erster amerikanischer Campingplatz. Hier ist es nicht wie in Holland, wo jedem Gast ein streng abgesteckter Bereich zusteht, der wenige Quadratmeter umfasst. Hier hat man Platz, jeder hat einen Tisch und eine Feuerstelle (die man aber nicht immer nutzen darf wegen Brandgefahr). Im Büdchen kaufen wir Holz und Grillanzünder. Wir backen Brot mit Knoblauchbutter und machen einen Salat dazu. Lecker.

Santa Cruz. Ich hatte noch immer keinen Burger gegessen, dabei war das von Anfang an mein großer Plan, schon seit Monaten habe ich mich auf diesen Moment gefreut, ins saftige Fleisch zu beißen. Wir laufen also durch Santa Cruz, in einem Bong-Geschäft wird Marihuana geraucht. Es gibt einen Vergnügungspark am Meer. Es gibt Surfer und man kann wieder Robben beobachten, die im Pier faulenzen. Hier kann man ganz nah dran. Und dann sieht man, dass sie viele Narben haben und ziemlich grob miteinander umgehen. Manche verstehen sich überhaupt nicht.

Auf jeden Fall hatte ich Mega-Hunger und wollte endlich meinen Burger. Wir gehen in einen Laden, der viele Aufkleber von irgendwelchen Magazinen hat. Schon als ich ins Menu guckte, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Ich bestelle einen California-Burger. In meinen Kopf geht es nur Burger Burger Burger, dap di di da duu. Der Burger kommt. Schock, ich habe mich so darauf gefreut, endlich einen richtigen amerikanischen Burger zu essen. Und dann das: Ich beiße hinein und schmecke eine Boulette aus Tofu oder wohlschmeckendem Fleischersatz oder so etwas. Katastrophe.

Drogenabhängige in San Francisco

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Parkplatzpreise San Francisco

San Francisco. Wir kommen in die Stadt. Aus dem Fenster sehen wir Obdachlose und Drogenabhängige. Erster Eindruck, geht so. Wir suchen einen Parkplatz. Pro Stunde kosten sie 12 Dollar, für einen Tag 58 Dollar. Wir finden einen in einer Seitenstraße und laufen ein oder zwei Stunden rum. Egal, wo wir hinkommen, uns bietet sich das gleiche Bild. Hier wollen wir also vier Tage bleiben, hm.

Wir fahren zu unserer Airbnb-Unterkunft in Hayward, das ist mit dem Zug eine halbe Stunde von San Francisco entfernt. In der Anzeige stand nichts von Trailerpark. Deshalb bin ich zunächst skeptisch, als wir reinfahren.

Aber das „Haus“ ist schön, Cindy ist nett. Sie ist 55, war in Thailand und hat sich dort ein Tattoo stechen lassen, dass einem Löwen ähnelt.

Sie erklärt uns, dass wir froh sein können, dass man nicht in unser Auto eingebrochen ist, wo wir es geparkt haben.

Angel Island

Am nächsten Tag fahren wir mit der Bahn rüber. Wieder Obdachlose und Drogenabhängige. Sie sprechen uns nicht an, aber wir fühlen uns nicht sicher. Wir gucken uns den Hafen an, dort gibt es viele Kunstläden, die einem Freundschaftspreise machen. Wir snacken uns ein bisschen durch und hören einer Band zu. Dort steht ein Mann mit einer Halbglatze. Seine Brust unrasiert und er trägt ein sommerliches Kleid in Weiß.

Weil wir die direkte Tour nach Alcatraz nicht mehr bekommen haben, haben wir eine Tour gebucht, die Angel Island und Alcatraz umfasst. Der Guide auf Angel Island fragt, wer da ist, weil er nach Alcatraz will. Alle melden sich. Er macht Witze, wir lachen und er fragt, wo wir herkommen und so.

Wir fahren um die Insel. An einem Aussichtspunkt fragt uns eine Frau, ob sie ein Foto von uns machen soll. Der Fahrer zeigt auf Häuser auf anderen Inseln und erzählt, welcher Super-Reiche dort wohnt, wer sich gerade ein Bild ersteigert hat, dass teurer ist als ein Apartment in NY mit Blick auf den Central Park. Ich verstehe, dass es alles teuer ist, aber welche Häuser er genau meint, weiß ich nicht.

Al Capone

Alcatraz. Wir hören einen Vortrag von einem ehemaligen Wärter. Er hat auch ein Buch geschrieben, das wir kaufen können. Über den Audioguide erfahren wir, wo Al Capone saß und dass ein Gefangener sich über Jahre das Vertrauen der Wärter und Gefängnisleitung erarbeitet hat. Er hatte das Privileg in der Wäscherei zu arbeiten, die sich um die Kleidung der Soldaten von Angel Island kümmert (früher war dort ein Militärstützpunkt).

Über mehrere Jahre hinweg, hat er sich eine Soldatenuniform zusammengeklaut. Mal ein Hemd, mal eine Jacke, mal eine Hose. Er kannte die Route des Boots, das die Sachen brachte. Es kam von der Soldateninsel, fuhr nach Alcatraz und dann nach San Francisco in den Hafen.

Er hatte sich also die Militäruniform unter seiner Häftlingskleidung angezogen. Als das Boot kam, zog er seine Häftlingskleidung aus und mischte sich als Soldat verkleidet unter die anderen. Die Wachen merkten nichts und das Boot fuhr los. Ist er am Ende entkommen? Leider nein, denn genau an diesem Tag fuhr das Boot nicht weiter nach San Francisco sondern zurück nach Angel Island.

Ein anderer ist ausgebrochen, er kam bis zum Wasser. Aber leider war Flut und darin würde er sterben, auch er hat Pech gehabt. Ein dritter ist wohl bis zum Wasser gekommen und dann geschwommen. Ob er es geschafft hat oder nicht, weiß man nicht, da man ihn nie wieder gesehen hat.

Nachdem das Gefängnis geschlossen wurde, wurden die Familien der ehemaligen Gefangenen eingeladen. Eine Schwester von ihm erzählte, dass er sich ab und zu meldet und irgendwo in Brasilien lebt. Mich stört nur ein wenig, dass die Bösen so oft Pech haben. Wirklich, dass das Boot ausgerechnet an dem Tag eine andere Route fährt, regt mich immer noch auf.

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Gedenkstein

AIDS Memorial Grove

Wir kommen zu einem Aids Memorial. Es war ein großer Garten, in dem große Steine lagen, auf denen die Namen von Aidstoten aus San Francisco standen. Zum Teil mit einer Widmung.

Wir besuchen eine Kathedrale. Sie ist aus Beton und sieht aus, als wurde sie aus einem Stück gegossen. Silvia setzt sich auf eine Bank und betet. Ich lösche Fotos meiner Kamera. Im Hintergrund treffen sich schwangere Frauen. Sie legen ihre Taschen in einer Ecke ab und gehen das Labyrinth im Kirchenboden ab.

Golden Gate Bridge

Wir fahren auf der Cable Bahn. Man kann sich draußen hinstellen und dann mit ihr die Straße runterballern. Am besten kauft man sich ein Tagesticket. Das ist Action pur. Ein Mann fragt, woher wir kommen und erzählt, dass er für eine günstige Ein-Zimmer-Wohnung 4.000 Dollar zahlt.

Wir sind an der Walt Disney Concert Hall, die von Frank Gehry designt wurde. Die Sonne geht unter und ich kann kein Foto machen, was mich immer noch ärgert.

Wir essen eine Peking-Ente. Ich beiße auf etwas Hartes und denke, dass es Kruste ist. Aber es ist ein Knochen und er schneidet mir ein Stück der Speiseröhre auf. Tut höllisch weh, aber ich hoffe, es ist nichts Schlimmes.

Auf der Golden Gate Bridge herrscht Wind. Viele, mit denen ich gesprochen habe, sind von der Größe beeindruckt und von der Konstruktion. Sie sprechen von einem „technischem Meisterwerk“ und so. Eine Propellermaschine fliegt unter der Brücke durch.

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