Bar Havanna

Kuba II: Pizza Gorgonzola (Varadero & Havanna)

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In Kuba gibt es kaum Obdachlose, Kubaner wohnen umsonst. Sie genießen freie Bildung und eine freie medizinische Versorgung. Klingt gut, ist es aber nicht. Viele Häuser sind runtergekommen. Zum Teil haben sie keine Tür und kein Dach, die Fenster sind kaputt. In unserem ersten Casa sagte die Informatikerin stolz, dass es warmes Wasser gibt.

Ein Kubaner verdient durchschnittlich 26 CUC, die Rente liegt bei 7 CUC. Kubanische Behörden haben berechnet, dass eine durchschnittliche Familie zum Leben das Doppelte bräuchte. Auch die Lebensmittelmarken der Regierung können das nicht kompensieren. Viele Kubaner versuchen deshalb, sich auf dem Schwarzmarkt etwas dazuzuverdienen.

Wenn wir essen gehen, zahlen wir pro Person das, was ein Kubaner pro Monat verdient. Gute kubanische Zigarren kann sich nur die Elite leisten, der Rest geht an Touristen und ins Ausland. Kubanische Männer sprechen Frauen aus Europa und den USA an und wollen sie heiraten, um aus dem Land zu kommen. Jetzt verstehe ich auch, warum bei Deutschland sucht den Superstar ein junger kubanischer Sänger mit einer deutschen Oma war und sie als „meine Frau“ vorstellte.

Der Staatschef Raúl Castro macht Korruption, Misswirtschaft und das zentral gelenkte kubanische Wirtschaftssystem für die Krise verantwortlich. Vor seiner Zeit wurden das US-Embargo und die Entwicklungen am Weltmarkt als Grund für die Lage im Land angeführt. Vielleicht ändert ja der „historische Handschlag“ zwischen Raul Castro und Obama etwas.

Pizza Gorgonzola in Varadero

Varadero. Wir kommen um 9 Uhr an und suchen eine Casa. Alles voll oder mit 35 CUC zu teuer. Wir klopfen eine halbe Stunde an Türen und finden ein Zimmer. Die Tochter übersetzt für ihre Mutter, dass wir statt 30 nur 25 CUC zahlen wollen und sie stimmt zu. Das Bett hat Eisenfedern, es quietscht und ist zu kurz wie auch die Decke. Draußen hört man die Taxis, die Gespräche der Nachbarn und Musik. Wir machen die Klima-Anlage an, die Geräusche sind weg. Und wir schlafen so gut wie nie zuvor. Ich zumindest.

Beach-Day! Wir frühstücken in unserer Casa. Die Bananen hat die Besitzerin in ihrem Garten gepflückt. Wir gehen an den Strand. Azurblaues Wasser, weißer Sand fein wie Staub, Pina Colada und Palmen Palmen Palmen. Das ist das Kuba-Feeling, wie man sich es zuhause auf der Couch ausmalt. Und meine Freundin hat ihre Tage. Wir liegen da zwei Stunden und uns ist langweilig.

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Katamaran am Strand in Varadero

Wir suchen eine Fahrrad-Vermietung. Gibt es nicht, dafür einen Bus, mit dem man für 5 CUC pro Person eine Hop-On Hop-Off Tour machen kann. Merken wir uns für das nächste Mal und gehen zurück zum Strand.

Die Babywellen kitzeln unsere Körper und ich bringe Silvia Wellenreiten bei. Ich schaffe das erste Mal in meinem Leben den „toten Mann“, den mein Papa in der Bretagne gemacht hat und den ich dort nie geschafft habe, als wir dort unsere Familien-Urlaube verbrachten. Ich glaube, der Trick ist, dass man sich aufs Wasser legt, in den Bauch einatmet und ihn nach oben drückt, man muss ein Hohlkreuz machen.

Dann nach Hause und ins Restaurant. Pizza Gorgonzola und eine Spaghetti Ham, die eigentlich eine Bollo war. Im All-Inclusive-Hotel bekommen wir für 2 CUC pro Drink eine Pina-Colada unter der Hand, es war die beste bis jetzt. Wir sitzen auf der Terrasse. Es wird Abend und kalt und wir gehen nach Hause schlafen.

Elektrische Fensterheber

Wir suchen ein Taxi nach Kuba und handeln 15 CUC als Preis aus. Das Auto ist alt. Die Tür öffnet sich nur von Außen, alles ist kaputt, aber es hat elektrische Fensterheber. Der Mann fährt durch die Straße und fragt Passanten, ob sie nach Havanna wollen.

Dann fahren wir zu verschiedenen Casas und holen Leute ab. Darunter ist ein Deutscher. Er ist braun gebrannt, kurz vor der Rente und hat für unsere Tages-Tour Santa Clara, Trinidad, Cienfuegos sechs Wochen gebraucht.

Während Silvia dem Fahrer das Geld gibt und er sie bittet nicht mit den anderen über den Preis zu reden, erzähle ich dem Deutschen, dass wir 15 CUC bezahlt haben. Er will mit dem Fahrer diskutieren, weil er 25 CUC gezahlt hat. Aber der Fahrer sagt irgendwas von „über Agentur gebucht“ und damit ist das Gespräch beendet.

Auf der Autobahn fahren kaum Autos. Auf dem äußeren Fahrstreifen stehen Männer und Frauen. In der einen Hand halten sie einen Regenschirm, in der anderen den Snack, den sie verkaufen: Brote, Ananas, Bananen, Mangos, Melonen und frittierte Hühnchen.

Plötzlich halten wir auf dem äußeren Streifen der Autobahn an. Der Fahrer geht über die Straße in ein Haus und kommt mit einem Brötchen wieder. Eine Stunde später sagt er, dass er müde ist und einen Kaffee braucht.

Kuba sucht den Superstar

Wir halten an einer Tankstelle an. Dort spielt eine Band Songs der Platte Buena Vista Social Club. Ich vertrete mir die Beine. Der Bandleader winkt mit zu und ruft Amigo. Ich winke und amigo zurück. Vielleicht sollte ich ihn umarmen, geht es mir durch den Kopf. Mache ich dann aber nicht. Er bietet mir das Mikro an. Ich gehe hin und komponiere aus dem Stehgreif ein „lalalalala“, er singt „lalalalala“ mit einer Pausa nach „lala“. In einem kreativen Prozess wirft man sich eben gegenseitig die Synergy-Bälle zu.

Ich übernehme es und singe ins Mikrofon. Ich bewege die Rasseln, rhythmisch kreist meine Hüfte. Die Band spielt. Das macht genau 2 Minuten Spaß, dann wird mir langweilig und ich gehe. Der Mann will mir sein Album verkaufen, ich gebe ihm Trinkgeld und eine High-Five. Wir fahren weiter. Mit der Aktion habe ich sogar den Taxifahrer begeistert, der „lalalalala“ mit der Pause in der Mitte summt.

Löcher und Hühner in Havanna

Havanna. Alte Autos, die rollen und rollen und rollen. Wir finden eine Mega-Casa für 25 CUC, Dachterasse, bunte Farben. Einmal pro Minute wird man angesprochen: „Cohiba“, „Taxi“, „Pineapple“, „Water“, „Where are you from?“. Außer in der aufpolierten Altstadt ist Havanna zerfallen.

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Amerikanische Oldtimer in Havanna

An jeder Ecke klingt die Musik von Buena Vista Social Club. Kinder kommen aus der Schule, in Hauseingängen sitzen Omas ohne Zähne. In den Straßen sind Löcher. Zum Teil einen Meter tief und ohne Absperrung. Wenn jemand unaufmerksam oder besoffen ist, kann er reinfallen und sich die Knochen brechen. Einmal trete ich in einen kleinen Riss und stolpere. Ein Kubaner kommt, reicht mir die Hand und entschuldigt sich. „Es Cuba“ oder so, sagt er und ist weg.Kommt man an einem Obstgeschäft vorbei, riecht es wie ein Multivitaminsaft. An den Ecken stehen überfüllte Müllkontainer und es stinkt nach Urin und Tiefgarage. Man hört, wie durch die Leitungen der Strom fließt, aus den Häuserwänden hängen offene Kabelenden.Wir sitzen in einem Restaurant und rauchen endlich unsere erste Zigarre. Die Band spielt einen Song von dem Album Buena Vista Social Club und wir fühlen uns super.

Katzen, Hunde und Hühner. Sie liegen und rennen überall. Man denkt bei den Hunden und Katzen, dass sie tot sind. Aber sie sind einfach noch fauler als die in Deutschland. Hühner rennen auf den Straßen in Havanna rum. Morgens, wenn die Sonne aufgeht, wird man in dieser 2-Millionen-Stadt von ihrem Krähruf geweckt.

Über den Müll

Wie Trinidad gehören Teile von Havanna zum Weltkulturerbe. Das Kapital ist also die Schönheit der Stadt, Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen. Da wundert es, dass die Einheimischen ihren Müll einfach auf den Boden werfen. Einer bringt einen Karton Müll aus dem Haus, geht zu einem Müllcontainer, der auf der Straße steht, und kippt den Inhalt hinein. Die Hälfte geht daneben. Er zieht ein Bein weg, damit es nicht auf seine Jeans fällt und denkt sich wohl Scheiß drauf.

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